SilverRudder 2014

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Das letzte Rennen der Saison sollte mich mit ca 200 anderen Soloskippern um Fünen herum führen. Um die Veranstaltung wurde ein richtiger Hype herum gebaut und so konnte sie von ca. 80 im letzten Jahr auf mehr als 200 Anmeldungen in diesem Jahr wachsen und damit das größte Offshore-Solofeld an den Start bringen. Auch aufgrund der sehr dünnen Windvorhersage blieben jedoch schon ca. 30 dem Start fern, wobei darunter leider auch 5 Minis waren und die interne Miniwertung etwas dünner wurde.
Aber … die Windvorhersagen stimmten ja in diesem Jahr selten und so ließ ich mich davon nicht weiter beirren und reinigte am Mittwoch Mittag in Warnemünde noch das UW Schiff und gegen 17:00 ging es bei mäßigem bis starkem Wind aus Ost in zügigem Tempo mit etwa 10kn in Richtung Großer Belt und von dort etwas langsamer weil höher am Wind zur Nordspitze von Langeland. Im dortigen Hafen von Lohals legte ich gegn 02:30 an, wobei ich mich für den Yachthafen entschied, der sich leider als sehr flach erwies und wo ich auch prompt kaum zum Steg kam.
Am folgenden Morgen machte ich mich auf die letzten 14 Seemeilen nach Svendborg und um 10:15 nahm mich Mini-Skipper Andreas dort in Empfang. Der Rest des Tages war mit Sicherheitsuntersuchung, letzten Besorgungen sowie Gesprächen, Essen und Navi-Checks gefüllt. Nach der Kurseinweisung sowie dem Stellen des Weckers begab ich mich endlich in die Koje.

Der Tag begann erwartungsgemäß mit leichten Winden wobei ich den Start leider wegen einer Grundberührung beim Segelsetzen um ca. 2 Minuten verpasste. So begann ich eben eher von hinten die Aufholjagd, wobei mir Morten leider wieder langsam davon fahren konnte – wenn auch nicht sehr schnell wie zu Pia. Das alte Pogo-2-Design ist bei wenig Wind eben kaum langsamer und Morten der wesentlich bessere Segler.
Durch meine Außenrundung von Lyo konnte ich mich endlich auf dem 3. Platz vorkämpfen sowie in Schlagdistanz zu den ersten beiden Schiffen bringen. Aber die Freude darüber währte nicht lange, denn ich musste kurz danach in der Flaute zusehen, wie nicht nur Morten uneinholbar davonzog – von weniger als 1sm auf mehr als 8sm sondern auch viele andere ca 0,5 sm nördlich vorbeiziehen lassen.

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Irgendwann ging es aber auch für mich weiter und bei leichtem SW Wind ( der überhaupt nicht angesagt war) bis kurz vor Bago wo das nächste Mal geparkt wurde, bevor der Ostwind wieder einsetzte und eine recht zügige Kreuz bis hinter Middelfahrt bescherte. Inzwischen war es auch dunkel und es begann die vorhergesagte Kreuz nördlich von Fünen bei anfangs 18kn in Richtung Ost. Der Wind nahm dann kontinuierlich ab und gegen 06:00 befand ich mich an der nordöstlichen Ecke von Fünen, deren Rundung in starkem Nebel, bei relativ starkem Gegenstrom und sehr leichtem Wind um die 4kn recht spannend war. Dank Plotter konnte ich mich aber recht gut im flacheren und damit stromärmeren Bereich halten und auch die Kreuz nach Süden bei Nebel, Gegenstrom und immer noch leichtem Wind war ein eigentlich sehr schönes Segeln an der 3-5m Linie. Erstaunlich, wie gut ein Mini ohne Welle kreuzt.

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Regatta Track

Gegen Mittag – etwa 7sm vor der Beltbrücke war aber erst Mal wieder Schluss mit Wind und es begann das große Warten, Baden, Essen … Irgendwann rief mich sogar Andreas an und fragte, ob auch ich – wie viele Andere aufgeben und meinen AB raus holen möchte … Aber in Anbetracht der Prognose, die für die Nacht wieder Wind versprach – sowie des schönen Wetters überredete ich ihn, doch noch etwas zu warten und es ging ab ca 17:00 mit 1-2kn Fahrt aus 0,5-2kn Wind in Richtung Brücke und hindurch um dann südlich der Brücke wieder einzuparken. Schließlich kam aber gegen 23:00 der versprochene Westwind – erst kaum spürbar aber immer weiter zunehmend – und es ging mit zunehmender Geschwindigkeit auf die letzten Seemeilen. Die hatten es aber in sich und die Nachtfahrt bei Starkregen sowie mehr als 15kn Wind, durch den Svendborgsund mit vielen unbeleuchteten Tonnen gehört sicher zu den Erfahrungen, auf die ich gern verzichtet hätte. Um 05:10 überquerte ich endlich die Ziellinie und etwas später war ich fest im Hafen und fiel in die Koje, aus der ich erst um 11:00 wieder raus kam.

Das war wesentlich später als gewünscht, doch die rauschende Rückfahrt bei West mit 27- 32kn und Geschwindigkeiten zwischen 10 und 16kn mit Sturmspi und 2.Reff brachten mich in 2h von Marstal nach Fehmarn und im Anschluss meist schlafenderweise nach Kühlungsborn, wo das Anlegemanöver um Mitternacht bei Westwind mit 25kn im Hafen und einer inzwischen sehr hohen Welle vor der Einfahrt noch mal für Adrenalin sorgte.

Transfer-Tracks

Eigentlich wollte ich ja das Boot am Montag verladen und mitnehmen. Doch in Anbetracht des weiter zunehmenden Windes mit starkem Regen zog ich es vor, den Zug nach Hause zu nehmen und das Boot wurde am folgenden Wochenende bei schönstem Spätsommerwetter gekrant.