Lorient BSM Mini 2015

110415- LORIENT BRETAGNE SUD MINI 6.50

 

Auch wenn ich selbst keine Mini-Transat Ambitionen mehr habe (3 Monate Mindestdauer und dann 3 Wochen Kleinboot ohne ordentliche Wetterinfos, und ohne Kommunikation kann/möchte ich mir nicht leisten) mag ich doch die sehr professionelle Szene und – von den äußerst beschränkten Navimöglichkeiten abgesehen (kein Kartenplotter erlaubt) – auch die Art des Segelns unter Beschränkung (bei den Serienschiffen) auf relativ preiswerten Bootsbau bei gleichzeitig sehr großer Freiheit im Bootsdesign (vor allem bei den Protos). Entstanden sind dabei erstaunlich gutmütig zu segelnde Geräte, die selbst einhand unter Spi problemlos weit über 10kn zu bringen sind. Nur die Kreuz mit der Kreuz ist sehr hart, da die nur 6,5m langen und ca 1t schweren Boote mit Amwind-Segelflächen um die 44qm sich dann eher wie Rodeopferde in der Welle bewegen.

Da unser Nacira dieses Jahr wieder nur auf der Ostsee gesegelt wird, nutze ich gern die Möglichkeit, Andreas Deubel auf seinen ersten Schritten in der ClasseMini-Welt zu unterstützen (vor allem im Bereich Navigation, Bootsausrüstung sowie bei den beiden Doublehand-Regatten Lorient BSM Mini sowie dem Mini-Fastnet). Netter Nebeneffekt ist, dass ich so hoffentlich auch mal um den Felsen vor Irland herum rauschen kann, da mich ja meine eigene Fastnet-Teilnahme wegen der Wettersituation damals nach La Rochelle führte.

Das doublehand gesegelte Lorient BSM Mini ist – als Nachfolgeveranstaltung des DemiCle – eine feste Größe im Regattaplan und es dient in Transat-Jahren (wie dieses Jahr) als erste Positionsbestimmung nach dem Wintertraining. Hinzu kommt, dass immer auch einige der aktuellen Segel-Größen (dieses Jahr Yves Le Blevec und Thomas Coville) zu ihren Wurzeln zurückkehren und es meist eine größere Anzahl von Klassenneulingen gibt.

Spannend war in diesem Jahr der erste direkte Vergleich der neuen Serientypen Pogo-3 (VPLP) und Ofcet650 (Bertrand) mit den bisher dominierenden Typen Nacira und Argo.tracker

Das Rennen selbst wurde wegen der angesagten Flaute in der Nacht stark reduziert (66 statt 150 sm) und führte um die Ile Groix herum und dann direkt nach Pornichet. Dabei war der Wind bis zur Flaute meist stärker als vorhergesagt. So wurde bei guten 12-15kn um Groix gesegelt und danach legte der Wind noch etwas zu, so dass es ein relativ harter Reaching-Kurs unter Max-Spi bei 110-120 Grad TWA bis Quiberon wurde. Leider nahm der Wind dann immer weiter ab und drehte etwas nördlich, was uns mit mehreren Halsen durch die felsige Inselwelt östlich von Quiberon führte, bevor er für uns 4sm vor dem Ziel ganz einschlief und wir für diese 4sm ( bei denen wir im Tidenstrom nicht selten auch mal wieder ein paar Sekunden etwas rückwärts trieben) mehr als 4h brauchten, bevor wir um 05:05 die Ziellinie überqueren konnten – eine echte Geduldsprobe.

Der erste Proto – Raison-Plattbug Version-2 (865)  mit Davy Beaudart und Yves Le Blevec überquerte dagegen bereits um 22:37 nach 9h24min die Ziellinie. Nicht ganz überraschend und nur 3 Minuten später dann die 800 mit Frédéric Denis und Thomas Coville. Der nächste Proto brauchte über eine Stunde länger, wobei auch der sterbende Wind eine Rolle spielte.

Spannend wurde vor allem die Serien (und Protoserien) Wertung erwartet, da die neuen Boote bisher nur sehr selten auf die etablierte Spitze trafen. Hier ist das Feld extrem dicht zusammen und auch wenn ein Pogo-3 mit Werksfahrer Olivier Taillard und Segelmacher Remi Aubrun nach 11h48min gewonnen hat, so sind die Abstände zu Tanguy LeTurquais/ Guillaume LeBrec auf einem Argo (30 Sekunden), Damien Cloarec/Gildas Mahe auf einem Nacira (5 Minuten später) und Ian Lipinski/Adrien Hardy auf einem Bertrand-Ofcet (14min später) denkbar gering.

Unser Ergebnis (Platz 21 von 44 bei den Serienschiffen) geht für Andreas und mich als Armateursegler in Ordnung – ohne Wintertraining, mit den alten Transatsegeln von Simon Koster, und mit einer etwas unglücklichen Spiwahl auf dem ersten Spigang nach der Startkreuz. In der Klasse kann man auf so “kurzen” Regatten Fehler gegenüber der Spitze ohne Wetterglück nicht mehr ausbügeln und die Tatsache, dass wir bis zum Stehenbleiben in der Flaute maximal 2..3sm hinter der Spitze lagen ist mehr als zufriedenstellend.

Das Fazit nach der Regatta – Es gibt wohl wieder einen Generationswechsel und es wird schwer für Nacira/Argo/D2 Piloten, das kommende Transat gegen die ebenfalls sehr gut segelnden Ian Lipinski, Olivier Taillard, … auf ihren P3s und Ofcets zu gewinnen.

 

110415- LORIENT BRETAGNE SUD MINI 6.50

Aber … es war auch offensichtlich, dass den Hauptunterschied immer noch der Segler macht, denn der erste Pogo2 (Sylvain Leboeuf / Ronan Dreano) lag nur 1 Minute hinter Platz 3 ( Patrik Girod auf Nacira) und auch mit einem Zero kann man recht weit nach vorn fahren, wie Quentin Vlamynk mit Platz 15 zeigte. Dagegen kamen die letzten Naciras (Platz 37 in der Serienwertung) sowie P3  erst 2..3h nach uns im Ziel an.

Insbesondere Nacira könnte zu einem neuen Boot der “Abenteurerklasse” werden, da es vergleichsweise unproblematisch selbst bei sehr viel Druck gefahren werden kann und die Ausfallrate sehr gering ist, während dies bei den älteren Booten mit weniger Stabilität (Pogo-2, Zero, TipTop) nicht so einfach ist und/oder die Ausfallrate recht hoch ist.

Die Entwicklung im Protobereich ist recht eindeutig auch wenn die Boote (747 und 865 sowie der Neubau von Simon Koster) optisch immer noch sehr gewöhnungsbedürftig aussehen. Einzig der Lombard-Proto 800 hält, wenn er von Seglern wie Gwenole Gahinet oder jetzt Frédéric Denis gesegelt wird, noch mit.

Andreas Deubel und Chris Lükermann segeln als nächstes Rennen das Mini en Mai, welches über 500sm geht und solo gesegelt wird und im Juni wollen wir um den Fastnet Rock segeln, was wohl mein persönlicher Saison-Höhepunkt wird.